Als '175er' wird Friedrich-Paul von Groszheim von den
Nationalsozialisten verfolgt, landet zweimal im Gefängnis und
schließlich im Konzentrationslager. 'Freiwillig' muss er in dieser
Zeit eine Kastration an sich vornehmen lassen. Trotz aller
Widrigkeiten leugnet er niemals seine Homosexualität und genießt die
schwule Szene der Goldenen Zwanziger ebenso wie die nach 1969.
Friedrich-Paul von Groszheim ist nur einer von elf zwischen 1906
und 1925 geborenen Männern, deren Schicksale Lutz van Dijk und
Günter Grau für "Einsam war ich nie" dokumentiert haben. In lebendig
erzählten Porträts lassen sie bis heute nicht entschädigte Opfer der
nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft zu Wort kommen. Ein
eigener Abschnitt bietet einen kompakten Überblick über die
historische Aufarbeitung eines immer noch verdrängten Kapitels
unserer jüngsten Geschichte.
Günter Grau (geb. 1946) lebt als Sexualwissenschaftler in Berlin. Er
hat unter anderem den Dokumentenband 'Homosexualität in der
NS-Zeit' herausgegen und in dem Buch 'Die Linke und das Laster' über
die 'sozialistische Einheitsmoral' in der DDR publiziert.
Lutz van
Dijk, wurde 1955 in Berlin geboren. Er war mehrere Jahre Lehrer an
einer Sonderschule in Hamburg, nach einem Zweitstudium (u.a. in
Israel) und Promotion zum Dr.phil. in der Lehrerfortbildung und am
Anne Frank Haus in Amsterdam tätig. Der mit verschiedenen Preisen
ausgezeichnete Jugend- und Sachbuchautor, dessen Bücher in mehrere
Sprachen übersetzt wurden, lebt und arbeitet seit 1992 als freier
Schriftsteller in Amsterdam.
Rezension der Amazon.de-Redaktion (RJ Poole):
Das Motto "Einsam war ich nie" stammt von
Gad Beck, einem von elf
Männern, deren Leben in Einzelbeiträgen hier erzählt wird. Diese
Männer, geboren zwischen 1895 und 1925, durchlebten aufgrund ihrer
Homosexualität in der NS-Zeit, aber zum Teil auch noch danach,
Diskriminierung und Verfolgung.
Im Gegensatz zu anderen verfolgten
Gruppen ist der Status homosexueller Opfer des Nationalsozialismus
weiterhin prekär (hierzu liefert der Band zwei Dokumente im Anhang),
ein Grund für das jahrzehntelange Schweigen vieler schwuler Männer.
Der Mitherausgeber Günter Grau spricht in seinem informativen
Nachwort von gerade mal einem guten Dutzend authentischer Zeugnisse
diesbezüglich.
Vor Jahren wurde diese Sammlung erstmals veröffentlicht, nun liegt
sie -- in aktualisierter und erweiterter Form -- endlich wieder vor.
Nicht nur zeugt dieses Bändchen von einer besonders schrecklichen
Phase der Menschheitsgeschichte, es führt implizit auch die
vielerorts weiterhin anhaltende Stigmatisierung und Kriminalisierung
von Homosexualität vor Augen. So gibt es den Angaben von amnesty
international zufolge allein immer noch neun Staaten, die hierfür
die Todesstrafe verhängen. Und doch erzählt z. B. der weltweite
Erfolg von Gad Becks Autobiografie eine andere Geschichte: Es ist
auch für ältere Schwule kein absolutes Tabu mehr, über ihre früheren
homosexuellen Erfahrungen zu schreiben und damit in eine weithin
sichtbare Öffentlichkeit zu treten.
Was die hier zusammengetragenen Porträts auszeichnet, sind -- neben
der löblichen Pionierarbeit van Dijks und Graus und den sorgfältig
recherchierten, detailreichen und mit weiterführenden
Literaturhinweisen versehenen Beiträgen selbst -- die eingestreuten
rückblickenden Selbstaussagen der Erinnernden. Die Art, wie sie von
ihren ersten sexuellen Erfahrungen berichten und sich ihrer großen
Jugendlieben besinnen, ist anrührend und erschütternd zugleich,
zeugt dies doch von dem Willen, sich trotz erlittener Grausamkeiten
ein Stück erlebten Glückes erhalten zu wollen.