Rezensionen:
Der Garten der toten Bäume
Avnis Buch führt in ein anderes Israel, abseits der
bekannten Orte, Wege und historischen Stätten. In fünfzehn Episoden
schildert der junge israelische Autor Yossi Avni das Leben eines
Homosexuellen in Israel: seine Fremdheit, die zur Wut des
Schreibenden wird, seine Scham inmitten einer Gesellschaft, die
traditionell auf die Familie aufbaut, seine Einsamkeit, seine
Sehnsucht nach einer Begegnung, deren verzweifeltes Scheitern.
Ein Roman in 15 Episoden, von Jossi Avni
Preis: EUR 8,00 [Bestellen?]
Jossi Avni über sich und sein Buch (Interview
haGalil.com): Ich bin ein untypischer Autor. Mein erstes Buch habe
ich meiner Mutter gewidmet, aber sie hat es bis heute nicht gelesen.
Mein zweites Buch habe ich meinen Eltern gewidmet, aber sie haben
das Buch nie gesehen. Mein drittes Buch habe ich zwei Menschen
gewidmet: Arik, meiner großen Liebe, der bereits im Vorfeld erklärt
hat, er werde das Buch nie lesen und Milosz, der kein Hebräisch
lesen kann.
Mein erstes Buch war zwar nicht das erste Buch
überhaupt in Israel, das sich mit Homosexualität auseinander setzte
(Der Schriftsteller, Jotam Re'uweni, schrieb vor mir bereits Bücher
mit homosexuellen Inhalten), doch öffnete "Der Garten der Toten
Bäume" vielen anderen israelischen Schriftstellern den Weg.
Im ersten Teil von "Der Garten der Toten Bäume"
schrieb ich über meine Liebe zu Eviatar, ein junger Fallschirmjäger,
durch den ich mein Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden
entdeckte. Außerdem stellte sich mir die Frage, ob es möglich ist,
glücklich zu sein in einem Treibhaus der beengenden familiären
Bindungen. "Der Garten der Toten Bäume" ist in der Tat ein ziemlich
trauriges Buch, denn der Protagonist fühlte sich nicht gut, er
fühlte sich einsam, war nicht guten Willens, er glaubte nicht daran,
Liebe zu finden, er versuchte zwar jedes Mal von Neuem, ohne Erfolg.
Es ist eine Kombination aus Naivität und der großen Suche. Das ist
eine subjektive Darstellung des Tel Avivs der 90er Jahre. Damals war
es nicht so "in", schwul zu sein wie heute. Ich wollte meine
Hoffnungen an dem entferntesten Ort finden, und das war für mich
damals Deutschland. Absurderweise nachdem ich fünf Jahre in
Deutschland gelebt hatte fühlte ich, dass das Glück auf mich in
Israel wartet.
Rezension aus
der Amazon.de-Redaktion (Mathias Mahler): "Viele einsame, durstige
Menschen treiben sich dort wie blinde Falter zwischen den Bäumen
herum. Wie oft habe ich mir geschworen, dass ich auch in den
schwersten Augenblicken nicht mehr an diesen fürchterlichen Ort
gehen werde, aber Wahnsinn und Lust haben mich besiegt. Ich laufe
dort mit all diesen Menschen... die Sonnenbrille habe ich trotz der
Dunkelheit auf. Dies ist ein Garten, in dem nichts wächst und
gedeiht; es ist der Garten der toten Bäume."
Ein Cruising-Area mitten in Tel Aviv. Jossi Avnis Beschreibungen und
Metaphern sind stark. Er benutzt expressive Bilder mit
orientalischer Ausdruckskraft, um bleibende Leseeindrücke zu
hinterlassen. Er fasst Eindrücke in eine dichte, ja poetische
Sprache und spielt mit dem Wechsel unterschiedlicher
Erzählsituationen.
Der unter Pseudonym schreibende Autor schreibt von Jossi, einem
schwulen Außenseiter der israelischen Gesellschaft. Jossi treibt die
Sehnsucht; die unerfüllte Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, die
Suche nach der großen Liebe; und scheint sie greifbar zu sein, tritt
ein Partner die Flucht an. Der Ausbruch und die Flucht des Jossi
führen diesen nach Deutschland, wo er Widersprüchliches erlebt, sich
selbst sogar bei der Bekanntschaft mit einem Landsmann als Grieche
ausgibt.
Das 1995 in Israel veröffentlichte Erstlingswerk gliedert sich in
zwei Teile. Im ersten Teil werden die einzelnen Geschichten durch
Motive oder Themen verbunden, wodurch eine Art Entwicklungsroman
entsteht. Im zweiten Teil stehen die Episoden für sich allein, sie
werden hier zu Kurzgeschichten. Schreibt Avni im ersten Teil von der
unerfüllten homosexuellen Liebe im heutigen Israel und der Angst vor
Schmerzen, so mag man nicht recht glauben, dass jeder Schwule gleich
empfindet. Die in einer Geschichte auf eine Kontaktanzeige
gesammelten Briefe in einem Ordner mit der Aufschrift "Buch der
Lügen" könnten hier eventuell Aufschluss geben. Das Buch Avnis
vermittelt jedoch sehr gut die innere Zerrissenheit, den Zwiespalt
seiner Figuren und damit die Schwierigkeit des schwulen
Selbstverständnisses mit der jüdischen Tradition.
Außerdem:
Gebundene Ausgabe bei Männerschwarmskript
ISBN: 3928983687 / 15.00 Euro
haGalil
onLine 09-01-2003 |