Werbung

Im Archiv suchen:

Bücher suchen:

Parada: Kino als Therapie gegen Homophobie

In Serbien ist es nicht weit her mit der Toleranz gegenüber Homosexuellen. Die Mehrheit verhält sich homophob, nur eine Minderheit liberal. In Belgrad soll eine neue „Gay Pride Parade“ stattfinden, nachdem die vorherigen Versuche blutig scheiterten…

Schwulen-Aktivist Mirko (Goran Jevtic) weiß um die Schwierigkeit des Unterfangens, denn Nationalisten wie Neo-Nazis wetzen bereits die Messer. Doch dann kommt es zu einer ungewöhnlichen Kooperation. Mirkos Freund Radmilo, seines Zeichens Tierarzt, rettet einem Pit Bull das Leben. Dessen Herrchen Limun ist ein ehemaliger Krimineller und besitzt inzwischen eine Sicherheits-Firma, ist Kriegsveteran und dazu höchst homophob.

YouTube Preview Image

Seine Verlobte Pearl steckt mitten in Hochzeitsvorbereitungen. Ihr Hochzeitsplaner ist der schwule Mirko. Frustriert von Limuns schwulenfeindlichen Beschimpfungen, will Mirko den Job schon schmeißen als Pearl ihrem Verlobten ein Ultimatum stellt: Nicht nur besteht sie darauf, dass Mirko bleibt. Das Jawort spricht sie nur dann, wenn Limuns Firma die von Mirko und seinem Freund organisierte Gay-Pride-Parade beschützt, die massiven Anfeindungen ausgesetzt ist.

Das Alpha-Tierchen muss schließlich gemeinsam mit dem schwulen Pärchen für die Rechte von Homosexuellen kämpfen. Ohne Unterstützung der Polizei. Auf der Suche nach Sympathisanten reisen sie gemeinsam durch ein zerrissenes Land und engagieren dubiose Mitstreiter für eine gerechte Sache. Die alten Feinde – Serben, bosnische Muslime, Kosovo-Albaner und kroatische
Kriegsveteranen – bilden zusammen eine utopische Truppe der besonderen Art, die es mit bunten Luftballons und Regenbogenfahnen gegen fiese Nationalisten und Neo-Nazis aufnimmt.

Die skurrile Komödie von Srdjan Dragojević war der Publikumshit der Berlinale und gewann den Panorama-Publikumspreis. Klischees, Stereotypen und sicher geglaubte Wahrheiten verkehrt der Film in ihr hochgradig unterhaltsames Gegenteil. Ein sicheres Gespür für Situationskomik, grandiose Dialoge und eine seltene Übertreibungskunst machen aus „Parada“ ein einziges Kinofest. Politisch völlig inkorrekt und dabei rasend komisch.

Neue Visionen Filmverleih, Kinostart: 13.9.2012.
Komödie, Serbien/Kroatien/Mazedonien/Slowenien 2012. Mit Nikola Kojo, Miloš Samolov, Hristina Popovi…

Manchmal muss Humor so durchgeknallt sein wie die Realität, die er widerspiegelt. Parada ist ein irrwitziges Meisterstück, witzig, charmant, intelligent und vor allem geprägt von Menschenliebe.
Siegessäule

Statt den mahnenden Zeigefinger zu heben, stellt Dragojević Gemeinsamkeiten und gegenseitige Akzeptanz in den Fokus. „Parada“ ist ein Film mit einem Anliegen, ein Film, der funktioniert. Eine schöne Komödie, die die Tragik der Wirklichkeit parodiert und Probleme zugänglich macht, ohne zu langweilen.
3sat

„Parada“ wirbelt die Fronten so irrwitzig durcheinander, dass eine wunderbare schwarze Komödie dabei herauskommt.
zitty

Regisseur: Srdjan Dragojević

Als ausgebildeter Psychotherapeut nahm Srdjan Dragojević 1987 das Studium der Film- und Fernsehregie an der mazedonischen Universität der Künste auf. An dieser erlangte er seinen zweiten Hochschulgrad als Filmregisseur und Drehbuchautor. In seinen Filmen macht er Gebrauch von der positiven Manipulation seiner Zuschauer und betrachtet seine Filme als therapeutische Maßnahme.

1992 machte er im Alter von 29 Jahren mit seinem Debüt „Mi Nismo Andeli“, dessen Drehbuch er selbst verfasste, im serbischen Kino auf sich aufmerksam. Es folgten diverse Auszeichnungen auf internationalen Filmfestivals, zum Beispiel für den Film „Dörfer in Flammen“ (1995) auf dem São Paulo International Filmfestival und dem Filmfestival Stockholm.
Als Mitglied der Sozialistischen Partei Serbiens setzt er sich nicht nur in seinen Filmen für Menschenrechte ein.

Von Drohungen und zerkratzten Windschutzscheiben durch Rechtsradikale und Hooligans lässt er sich von seinen Überzeugungen nicht abbringen. Im Gegenteil beflügelt ihn dies umso mehr als Filmaktivist dazu beizutragen, menschliches Denken zu verändern und Vorurteile abzubauen. Schon in seiner Jugend vereinte er Rebellion und Veränderungsgeist, indem er sich in sozialistischen Zeiten mit einer Punk/New Wave Band der Punkbewegung anschloss.

Mit seinem Film „Rane“ reiste er für diverse Festival-Vorführungen, u.a. beim San Francisco International Film Festival, durch die USA. Nachdem der Entertainment-Riese Miramax ihn unter Vertrag nehmen wollte, zog er im Juli 1999 mit seiner Familie nach Los Angeles. Innerhalb der folgenden zwei Jahre pendelte er kontinuierlich zwischen New York und Los Angeles. Da er jedoch die künstlerische Freiheit, die er dort für seine Filme suchte, nicht fand, verschlug es ihn 2001 wieder zurück nach Serbien. Mit seinem neuesten Film „Parada“ feierte er Riesen-Erfolge im gesamten Balkanraum. Auch auf der Berlinale 2012 wurde der Film zum Hit und mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichnet.

Parada: Eine Erfolgsgeschichte

Schwule und Soldaten verstehen sich eigentlich nicht gut auf dem Balkan. Genauso wenig verstehen sich eigentlich Kriegshelden der verschiedenen ethnischen Gruppen der Region. Und doch wurde eine Komödie über einen serbischen Kriegsveteran, der gemeinsam mit anderen Veteranen aus ehemaligen feindlichen Gebieten eine Schwulenparade beschützt, zum Überraschungshit in der gesamten Balkanregion.
Dem serbischen Regisseur Srdjan Dragojević gelang es mit seiner Komödie, über 600.000 Zuschauer in die Kinos zu locken und das in einer Region mit 20. Mio Einwohnern (zum Vergleich: in Deutschland würde dies rund 2.400.000 BesucherInnen bedeuten).
Das überraschte angesichts der Handlung des Films, die mit homophoben Vorurteilen, starren Geschlechterstereotypen und Machismen spielt. Doch Dragojević war es wichtig, einen Film zu machen, der die Einstellungen der Menschen verändert und es scheint, als wäre ihm das gelungen. Dass der Film nicht nur in Serbien sehr gut aufgenommen wurde, sondern im gesamten Balkan, liegt vor allem daran, dass man im Film eine Art von Versöhnung zwischen den Völkern erlebt, die sich auch in der Realität langsam bemerkbar macht. Regisseur Dragojević spielt mit Vorurteilen, übersteigert und bricht sie. Er zeigt ganz normale Menschen, wie sie zueinander finden und die Vorurteile, welche sie gegeneinander haben, langsam gemeinsam abbauen. Er bietet einen Zugang zu den Problematiken der Region, ohne zu langweilen oder zu schockieren, sondern mit einer wunderschönen, amüsanten und ebenso tragischen Komödie.

Parada: Interview mit dem Regisseur
Der Film “Parada” wurde zum Erfolgshit im gesamten Balkanraum, der als sehr schwulenfeindlich bekannt ist. Regie führte der Psychotherapeut Srdjan Dragojević…

1 comment to Parada: Kino als Therapie gegen Homophobie

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>