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Diskriminierung: Homosexualität am Arbeitsplatz

Homophobe Diskriminierung haben mindestens drei Viertel aller Schwulen und Lesben am eigenen Leib erfahren, jeder Zehnte war sogar schon körperlicher Aggression ausgesetzt, so eine Untersuchung der Universität Köln mit 2230 Befragten aus dem Jahr 2007. Kein Wunder also, dass rund die Hälfte der Homosexuellen ihr Schwul- oder Lesbischsein am Arbeitsplatz nicht erwähnen…

Der oft in diesem Zusammenhang gehörte Satz „Was ich im Schlafzimmer tue, geht niemanden etwas an“ greift dabei nur bedingt. Denn mit dieser Denke wird das Dilemma deutlich, in welchem sich Lesben, Schwule und Transgender befinden: sie werden auf die reine Sexualität reduziert. Liebe, Partnerschaft, Verantwortung und alle weiteren Aspekte einer Bindung zwischen zwei Menschen – gleich welcher sexuellen Orientierung –, fallen dabei schlicht unter den Tisch.

Das Motto des diesjährigen Christopher Street Day (CSD), welcher vom 20. bis 29. Juli 2012 in Stuttgart stattfindet, lautet deshalb GLEICHBESCHÄFTIGT.

Anhand der kreativen Wortschöpfung soll ein Thema in den Mittelpunkt der Diskussion um die schwul-lesbische Gleichberechtigung gerückt werden, welches oftmals nur am Rande gestreift wird: Homosexualität am Arbeitsplatz.

Mitteilung des csd-stuttgart.de

Dabei ist der Broterwerb, dem man tagtäglich an der Arbeitsstätte nachgeht, einer der zentralen Lebenselemente eines jeden Menschen. So auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Ein offener Umgang mit dem eigenen Lebensentwurf an dem Ort, der einen auch oft länger als acht Stunden am Tag bindet, ist für viele homosexuelle Erwerbstätige aber noch immer traurige Illusion.

Versteckspiele, Halbwahrheiten bis hin zum Doppelleben sind nicht selten an der Tagesordnung. Über die eigene Sexualität zu sprechen, ist für viele immer noch ein Tabu und Diskriminierung findet dabei meist auf subtilen Wegen statt. Eine eher zufällig anmutende Anrempelung im Büroflur oder eine vor der Nase zufallende Tür sind da noch harmlose Anzeichen. Aber auch solch versteckte Diskriminierung verletzt, verunsichert und verängstigt.

Der CSD Stuttgart setzt sich in der Saison 2012 für Chancengleichheit, Gleichberechtigung und Offenheit im Büro, hinter der Werkbank, am Fließband, im Operationssaal, im Lehrerzimmer, in der Stadionkabine, im Baustellencontainer und an allen anderen Arbeitsplätzen ein. Es soll offen und ohne Tabus über Homosexualität am Arbeitsplatz, den Umgang mit Minderheiten und die versteckte, tagtägliche Diskriminierung informiert und diskutiert werden.

Zentrale Fragen sind beispielsweise:

  • Warum fällt das Outing am Arbeitsplatz immer noch so schwer?
  • Wie lässt sich die Vielfalt der Belegschaften in Unternehmen fördern – und was wird dadurch für die Firma, die Mitarbeiter oder die Gesellschaft gewonnen?
  • Sind Menschen, die sich verstecken müssen und nicht aus dem Schrank kommen, weniger produktiv?
  • Was können Arbeitgeber und Führungskräfte tun, um Mobbing gegenüber Schwulen und Lesben zu verhindern?
  • Wie lassen sich Kolleginnen und Kollegen für soziale Diskriminierung sensibilisieren?

Nehmen wir den CSD im Sommer zum Anlass, die Scheuklappen abzulegen. Hören wir den Menschen zu, die gerne ohne Versteckspiel leben wollen. Unterstützen wir sie auf ihrem Weg zu einer angstfreien Offenheit über den eigenen Lebensentwurf. Um in naher Zukunft zu einer neuen Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Lebensvielfalt in deutschen Betrieben zu kommen sind Arbeitgeber und Führungskräfte sowie die Belegschaften ebenso gefordert wie Schwule, Lesben und Transgender selbst.

Die diesjährige Plakatkampagne des CSD Stuttgart wird ihr übrigens tun, um die Chancengleichheit am Arbeitsplatz in den Fokus zu rücken. Im Mittelpunkt steht die auffällige Wortkreation des Mottos. GLEICHBESCHÄFTIGT zieht sich durch alle Kommunikationskanäle und wird im Juli auf möglichst vielen CSD Plakaten im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt sowie in Geschäften, Lokalitäten und Einrichtungen präsent sein.

Zwei Botschaften wollen wir damit verbunden wissen. Erstens: Homosexualität steht nicht in Zusammenhang mit der Berufswahl. Den typischen schwulen oder lesbischen Beruf gibt es schlicht nicht. Zweitens: wir wollen Homosexuellen, die sich noch immer verstecken (müssen), mit dem CSD Leitthema Mut machen, über den Schritt aus dem Schrank an die Öffentlichkeit nachzudenken und ihn gegebenenfalls auch beherzt zu tun.

Auch in der Schirmherrschaft zum CSD Stuttgart 2012 wird sich die Thematik wiederfinden. Anfragen an Wirtschaftsvertreter/innen der Region laufen bereits.

Im Rahmen des Festivals werden außerdem Initiativen, Interessenvertretungen, Organisationen, Aktionen und Studien rund um das weitreichende Thema „Coming Out und Arbeitsplatz“ vorgestellt. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

Neben dem gelegten Schwerpunkt auf das Outing in der Berufswelt spielen die weiterhin unerfüllten Forderungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender eine zentrale Rolle. So formuliert der CSD Verein aktuell den politischen und gesellschaftlichen Forderungskatalog rund um die Gleichberechtigung im Steuerrecht, das gemeinsame Adoptionsrecht, das Ende von Sonderregelungen im Antidiskriminierungsschutz und vieles weitere mehr.

Erläuterung: Aus dem Schrank kommen

Das oft verwendete „Coming out“, wird vom englischen „coming out of the closet“ abgeleitet. Wörtlich bedeutet es „aus dem Kleiderschrank herauskommen“. Dies bezeichnet zumeist den individuellen Prozess, sich seiner eigenen gleichgeschlechtlichen oder seine von geschlechtlichen Identität oder Geschlechterrolle abweichenden Empfindungen bewusst zu werden und dies gegebenenfalls dem näheren sozialen Umfeld mitzuteilen. Der Begriff „aus dem Schrank kommen“ steht dabei symbolisch für den nächsten, größeren Schritt des eigenen Coming Outs. Dabei handelt es sich zumeist um das öffentliche Bekenntnis zum Schwul- oder Lesbischsein, das oftmals dem im engsten Familien- und Freundeskreis folgt.

Fragen und Anregungen zum Motto nehmen wir unter  orga@csd-stuttgart.de jederzeit gerne entgegen.

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