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Film Tipp: Männer al dente

Tommaso ist es leid, anderen etwas vorzumachen. Seine Familie soll endlich wissen, dass er nicht BWL, sondern Literatur studiert hat. Und dass sein erster Roman fertig ist, für den er einen Verlag sucht. Und dass er ganz bestimmt nicht nach Hause zurückkehren will, um in die familiäre Pasta-Produktion einzusteigen. Dies und noch mehr will er ihnen sagen. Geheimnisse hat er genug. Alles soll ans Licht und vor aller Augen und Ohren. Nur so kann er es schaffen, aus dem Haus gejagt zu werden, um zurück in seine Wahlheimat Rom zu kehren…

Die Cantones & Co.:
Von der Anstrengung der einen, Geständnisse zu machen,
und der Bemühung der anderen, sie zu vertuschen

Doch Mustersohn Antonio sieht in dem Plan des kleinen Bruders die eigene Rettung. Warum ist er nicht selbst darauf gekommen? Frei sein. Zu lange schon an die Bedürfnisse der Familie angepasst, stiehlt er Tommaso die Show. Die Familie ist fassungslos, Tommaso noch mehr.
Vincenzo, der cholerische Vater der beiden, meint erst, es handle sich um einen Scherz, denn Witze erzählen konnte sein Sohn noch nie. Doch als sich das Gesagte als bitterer Ernst herausstellt, trifft ihn der Schlag. Aber vorher verweist er Antonio noch des Hauses. Einen solchen Affront kann er nicht hinnehmen. Seine Söhne sind ein Teil von ihm. Sie haben zu sein wie er. Seine Geliebte Patrizia will ihn beruhigen, aber für ihn ist klar: Diese Schande kann er nicht hinnehmen.

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Aus Verzweiflung überträgt er all seine Erwartungen auf Tommaso. Und aus Angst vor Tratsch und Klatsch verlässt er nur selten das Haus, und wenn, dann in gespielter bester Laune – mit einem Lachen, um nicht zu weinen. Stefania, die eigentlich liebevolle, aber spießige Mama Cantone, ist entsetzt. Alle graben an ihrem Ansehen. Reicht es nicht, dass ihr Mann sie mit einer Schlampe
betrügt? Überzeugt davon, dass alles ein Irrtum sein muss, sucht sie nach Beweisen. Ein Foto bringt Gewissheit. Was die Leute wohl sagen? Wie dem auch sei: Ihre Familie muss geschützt werden – in Krisenzeiten umso eher. Und so verteidigt sie sich und das Ansehen ihrer Lieben, so gut es geht, besonders vor den Attacken der stadtbekannten Tratsche Antonietta, bei der sie ihre Contenance schon einmal vergisst. Ihren Frust lässt sie an ihren Dienstmädchen Teresa und Giovanna aus.
Wenigstens die beiden machen, was sie will.

Die aristokratische Großmutter Cantone weiß, was in der Familie vor sich geht, und das macht sie müde. Sie durchlebt ein Déjà-vu aus ihrer eigenen Jugend: das Geheimnis ihrer unerfüllten, unmöglichen Gefühle zu Nicola, dessen Bruder Domenico sie heiratet, nur um ihrer heimlichen Liebe nahe zu sein. Sie weiß, dass sie ihn nicht haben kann, verbringt aber trotzdem ihr ganzes Leben mit ihm. Wenn schon nicht als seine Frau, dann als gleichberechtigte Partnerin im Familienunternehmen. Vielleicht ist sie deshalb Diabetikerin geworden. Könne passieren bei fehlender Liebe, sagt man. Aber eines hat sie gelernt: „Niemand kann dir vorschreiben, wen du lieben sollst. Deine Fehler musst du schon alleine machen.“ Trotzdem entschließt sie sich einzugreifen. Sie setzt dem Ganzen ein Ende – mit herrlichen Törtchen, Süßem, das ihr schon lange fehlt, und bringt ihre Familie so auf den rechten Weg.

Ihr Geheimnis vertraut sie nur Alba an, der schönen Tochter von Raffaele Brunetti, dem neuen Geschäftspartner der Familie, die sich in Tommaso verliebt und auf dem besten Weg ist, den Fehler der Großmutter zu wiederholen. Auch Alba arbeitet an der Seite eines geliebten Mannes und weiß, dass sich ihre Liebe nie erfüllen wird. Wirkt die junge Frau mit dem ausgefallenen Schuhsortiment von außen temperamentvoll und kapriziös, steckt in ihr eine sensible Seele, die Angst davor hat, nicht gebraucht und gewollt zu sein.

Für Elena, die Schwester von Antonio und Tommaso, hat das Wirrwarr um Antonio ein Gutes. Sie hat keine Probleme mit ihren Brüdern. Im Gegenteil: Sie denkt über sich selbst nach und emanzipiert sich. Im Gegensatz zu ihrem Vater, der sie ein Leben lang unterschätzt, ist Tommaso sehr wohl an ihrer Meinung im Betrieb interessiert. Einmal legitimiert, müssen die Mitarbeiter, darunter auch ihr Mann, sie notgedrungen als Vorgesetzte akzeptieren. Endlich erteilt sie ihrem bisherigen Leben als frustrierte Hausfrau eine Absage und findet ihre Berufung.

Salvatore, der Ehemann Elenas, ist eine hoffnungslose Nervensäge. Vielleicht, weil er durch das große Durcheinander in der Familie eine Chance sieht, endlich anerkannt zu werden. Er will souverän und tolerant sein, aber für Vater Cantone bleibt er der Schwachkopf aus Neapel, den seine Tochter unbedingt heiraten wollte. Der einzige, der ein Faible für ihn hat, ist Massimiliano, ein Flugbegleiter aus Tommasos Freundeskreis, der seinen Blick nicht mehr von ihm wenden kann. Luciana, die wunderliche, immer leicht angetrunkene Tante mit Augenfehler, flieht in jungen Jahren mit ihrer großen Liebe nach London – gegen den Willen ihrer Eltern. Weil die Flucht in einem Desaster endet (verschmäht und beraubt bringt ihr Bruder Vincenzo sie nach Hause zurück), macht sie nur noch heimlich, was ihr gefällt. Ihre Liebhaber empfängt sie im Dunkel der Nacht. Und ihren Cinzano trinkt sie vom Löffel – als Hustensaft. Keiner soll etwas wissen, aber alle sind längst im Bilde. Tommasos Freunde bringen frischen Wind in ihren Alltag, und vielleicht auch den nötigen Mut, ihre Bedürfnisse offen auszuleben. Besonders Davide, in dem sie einen begnadeten Zuhörer findet, hat es ihr angetan. Mit ihm plaudert und raucht sie eine ganze Nacht, und durch die Auswirkungen der ungewohnten Genüsse erscheint sie dem Rest der Familie durchgeknallter als je zuvor.

Wissen es die anderen oder nicht? „Je weniger wir davon sprechen, umso besser ist es“, meint Stefania. Und Vincenzo traut sich gleich gar nicht mehr auf die Straße. „Es ist schwieriger, ruhig zu sein, als das zu sagen, was man denkt“, kommentiert die Tante, und die Großmutter schämt sich für ihren Sohn. Wie kann es sein, dass er einfach nicht versteht: Man kann sich nicht aussuchen, wen man liebt.

http://www.maenner-al-dente.de

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