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Der neue Hass auf Homosexuelle: „Schwule Sau!“

MadelaineMadeleine schreibt ihrer besten Freundin in einem Brief, dass sie nicht wisse, was mit ihr los sei: Sie verliebe sich immer nur in Mädchen. Am nächsten Morgen hängt ihr Brief – vielfach kopiert – an den Wänden der Schule…

Ein Film von Christina Zühlke. Im WDR am Montag, 12. April 2010, 22.00 – 22.45 Uhr und Donnerstag, 15. April 2010, 14.15 – 15.00 Uhr.

„Die Leute haben mich angeguckt wie ein Stück Dreck. Und so habe ich mich auch gefühlt“, sagt Madeleine. In Studien geben immer mehr Jugendliche an, Schwule und Lesben eklig zu finden. „Schwul“ und „Schwuchtel“ sind wieder zu Standard-Schimpfwörtern auf deutschen Schulhöfen geworden. Lehrer sagen entschuldigend: Das sei ja nicht so gemeint.

Doch schwule Jungs und lesbische Mädchen spüren längst das neue Klima von Hass und Intoleranz. Outing an der Schule kommt fast nicht mehr in Frage. Mit Abschottung oder Lügengeschichten versuchen die Jugendlichen, bloß nicht aufzufallen. Jahrelang schien gerade bei jungen Menschen die Toleranz gegenüber Homosexuellen stetig zu wachsen. Doch nun erleben junge Schwule und Lesben immer häufiger Beschimpfungen und Gewalttätigkeiten.

Fast jeder zweite schwule Mann in Berlin habe Erfahrung mit Gewalt.

die story zeigt, was passieren kann, wenn verbale Gewalt nicht schon auf dem Schulhof unterbunden wird: „Es gibt eine regelrechte Schwulen-Hatz“, sagt Bastian Finke von der Opferberatung in Berlin. Fast jeder zweite schwule Mann in Berlin habe Erfahrung mit Gewalt.

Das Filmteam von „die story“ begleitet Jugendliche zurück zu ihren ersten Erfahrungen mit Schwulenhass, in ihre Heimatorte, die Kirche und vor allem die Schule und erlebt vor laufender Kamera neue Angriffe und Beschimpfungen.

http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2010/0412/index.jsp

1 comment to Der neue Hass auf Homosexuelle: „Schwule Sau!“

  • Jane

    Ich denke, dass das gesamtgesellschaftliche Klima in den letzten 10 Jahren immer kälter wurde, was sich in der immer größeren Kluft zwischen Arm und Reich bemerkbar macht. Generell scheint Solidarität mit dem neuen Prekariat Mangelware zu sein. Obwohl Deutschland es sich gerade im Hinblick auf seine demographische Entwicklung überhaupt nicht leisten kann, wird zuwenig in die Jugend und in die Bildung investiert. Der Verteilungskampf wird mit immer härteren Bandagen ausgeübt und der Druck kommt mittlerweile schon in den Grundschulen an. Ich vermute, dass das die Ursache für den zunehmenden Mangel an Toleranz ist. Die Politik hat sich schon lange den Bedürfnissen der Wirtschaft untergeordnet und kapituliert vor dem angeblichen Sachzwang. Im Grunde genommen, ist dies eine egoistische und verantwortungslose Entwicklung, die zunehmend zu einer Zersetzung des gesamtgesellschaftlichen Gefüges führt.
    Es mag in Anbetracht globaler Wettbewerbssituatin schwierig sein, aber das ist kein Grund vor dieser Entwicklung zu kapitulieren. Natürlich bräuchten globale Entwicklung letztendlich globale Antworten. Die könnte es aber geben, man müsste allerdings mal damit anfangen. Anstatt das Ruder rumzureißen, wozu die Finanzkrise eine ausgezeichnete Gelgenheit bot, scheuen Politiker die notwendigen Schritte und laufen immer noch den Lobbies hinterher. Alte Konzepte von Rechts und Links haben ausgedient und es bedürfte mutiger Visionäre, die unbestechlich eine Wende zu einem gesamtgesellschaftlichen Miteinander, zu Solidarität und zu den Grundrechten, wie angemessene Bezahlung, das Recht auf Arbeit, Bildung und keine hohlen Pseudoversprechen (-tätigkeiten, kurse etc) einleiten. Unser Vize-kanzler, selber homosexuell, scheute sich nicht die ‚lästigen‘ Arbeitslosen aufs übelste zu diffamieren. Diese Kälte wiederum, spiegelt sich dann auch im brutaleren Umgang der Schüler miteinander. Die Angst in diesem Wettbewerb zu bestehen, oder schon aussortiert zu werden bevor es überhaupt angefangen hat, gepaart mit der schönen Scheinwelt, die die Werbung und Hollywood in den Köpfen junger Menschen verankern, entsteht eine absurde Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Bevor man dann selber aussortiert wird, trägt man dann lieber dazu bei andere auszugrenzen, was ein kurzfristig ein täuschendes Gefühl der Stärke verleiht, Grundlage jeder Art von Mobbing.
    Die Erinnerung an Gemeinsinn und Solidarität, wie sie die soziale Marktwirtschaft in den früheren Jahren lieferte, ist für uns ältere eine Erinnnerung und für die Jungen, in Zeiten von Hartz IV, Privat-Schulen, Privat-Unis mittlerweile eine hohle Phrase. Der Kommunismus ist aus gutem Grund zusammengebrochen, der Kapitalismus, so wie wir ihn haben, ist grundsätzlich gar nicht darauf angelegt unbedingt für alle Menschen zu funktionieren, und nicht etwa weil sie faul wären, sondern weil er zwangsläufig dazu führt, dass nicht wenigen Menschen jegliche gesellschaftliche Teilhabe verwehrt ist, denn ohne Zugang zu ausreichend Bildung und Kapital besteht kaum eine Chance dazu, was für Aktionäre und Unternehmen eher vorteilhaft ist, lassen sich doch auf dieser Grundlage Löhne drücken und Gewinne maximieren. Man sollte das ganze Gefüge neu denken und mutig Elemente beider Weltbilder zusammenfügen, alte Zöpfe abschneiden und dies auf globaler Ebene angehen. Das wäre machbar, wenn wir die mutigen Politiker hätten und eine Öffentlichkeit, die begreift, dass weitermachen wie bisher definitiv keine Lösung ist. Das Traumbild vom grenzenlosen Reichen, dass sich für manche, in diesem System ja auch verwirklicht, ist da eher so etwas wie eine verderbliche Fatamorgana, die letztendlich die materiellen Grundlagen unser Gesellschaft zerstört.

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