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Gewalt in Polen: Der Osten wird trotzdem rosa

Die Schwulen und Lesben in Osteuropa bewegen sich zwischen Übergriffen von Rechtsextremen, einem Leben im Geheimen und einem sanften Coming Out. Aktuelle Momentaufnahmen aus fünf Staaten des ehemaligen Ostblocks…

Kaum eine Woche nach Polens EU-Beitritt erlebt Krakau Szenen des Hasses wie sonst nur beim Aufeinandertreffen verfeindeter Fußballfans. Ein friedlicher Demonstrationszug von rund 1 500 Menschen unter dem Motto des zum ersten Mal stattfindenden schwul-lesbischen Festivals »Kultur für Toleranz« sieht sich einer Horde Steine und Eier werfender Gegner gegenüber, die hinter einer Kette Polizisten den Fortgang der Demonstration verhindern wollen.

Es handelt sich bei der aggressiven unangemeldeten Gegendemonstration nicht nur um örtliche Hooligans, sondern es nehmen vor allem Mitglieder der Partei »Liga Polnischer Familien« sowie der rechtsextremen »Gesamt-Polnischen Jugend« daran teil. Kurz nach der Auflösung der Demonstration kommt es zu gewalttätigen Szenen auf dem Hauptmarkt, in deren Folge die Polizei Tränengas einsetzt und ein Polizist Säureverletzungen erleidet. Am Tag darauf findet die alljährliche Stanislaus-Prozession der katholischen Kirche statt, und der Krakauer Bischof findet in seiner weit beachteten Ansprache lediglich negative Worte für den »provokativen Charakter« des schwul-lesbischen Toleranzmarsches. Keinen Gedanken verschwendet er an eine Verurteilung der Gewaltszenen.

Einen Monat später scheitert die bis dato alljährlich stattfindende »Parada Równosci« (Parade der Gleichberechtigung) in Warschau am vehementen Veto des Stadtpräsidenten Lech Kaczynski, der einen rechtlich zugesicherten Demonstrationszug untersagt, angeblich »zum Schutze der Öffentlichkeit und der öffentlichen Sicherheit«. Die Medien halten sich weitgehend zurück. Wenn es zu grundsätzlichen Diskussionen kommt, dann sind sie von der Ansicht geprägt, sexuelle Minderheiten hätten sich der Diktatur der katholisch-heterosexuellen Mehrheit unterzuordnen.

Es ist eigentlich ganz einfach, in Polen schwul zu sein. Voraussetzung ist lediglich, dass man nicht auf dem Land lebt, Verwandten und Nachbarn die eigene sexuelle Orientierung verheimlicht, dass man auf Händchenhalten verzichtet und auf jede demonstrative Inanspruchnahme seiner Rechte in der Öffentlichkeit.

martin kraft, krakau

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