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Hoffnung in Tschechien

Der Osten wird rosa: Die Schwulen und Lesben in Osteuropa bewegen sich zwischen Übergriffen von Rechtsextremen, einem Leben im Geheimen und einem sanften Coming Out. Aktuelle Momentaufnahmen aus fünf Staaten des ehemaligen Ostblocks…Die tschechische Republik hat seit dem Jahr 1961 ein Gesetz, in dem steht, dass Homosexualität legal sei und Homosexuelle nicht diskriminiert werden dürften. Mit einer Ausnahme: Der homosexuelle Geschlechtsverkehr ist erst ab 18 Jahren legal, während die Grenze für Heteros bei 15 Jahren liegt. Damals war das Gesetz sehr fortschrittlich, trotzdem standen die Schwulen im Staatssozialismus oft unter der Beobachtung der tschechischen Staatssicherheit und ihre Rechte wurden auf unterschiedlichste Weise beeinträchtigt.

Erst nach der Wende wurden verschiedene Schwulenvereine bzw. -initiativen gegründet, und man begann langsam, in den Medien und generell in der Öffentlichkeit über diese Thematik zu sprechen. Doch viele Jahre lang ist es nur bei Worten geblieben. Und auch heute noch hat die tschechische Republik kein Gesetz, das gleichgeschlechtliche Partnerschaften regelt, obwohl es seit 1990 mehrere Initiativen dafür im tschechischen Parlament gegeben hat.

Die strikteste Gegnerin einer solchen registrierten Partnerschaft ist die Christliche Demokratische Union – Tschechische Volkspartei (KDU-CSL), die sich auf die Unterstützung von etwa acht bis zehn Prozent der Bevölkerung berufen kann. Ihre Abgeordneten reagierten geradezu hysterisch, als im tschechischen Parlament der Vorschlag für ein Gesetz zu registrierten Partnerschaften zwischen Schwulen bzw. Lesben gemacht wurde. Ein Abgeordneter der Partei verstieg sich dazu, in seiner Parlamentsrede Schwule als »Schweine« zu bezeichnen und ihre Handlungen als »entartet«.

Der Einfluss dieser schwer homophoben Partei wird noch dadurch verstärkt, dass eine tschechische Regierung ohne die KDU-CSL als »Partei der Mitte« derzeit kaum vorstellbar ist. Mit Ausnahme der Zeit von 1998 bis 2002 sitzt diese Partei seit 1945 in jeder tschechischen Regierung. Die mit ihr eng verbundene katholische Kirche zählt ebenso zu den vehementen Gegnern jeder gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Der tschechische Erzbischof Miloslav Vlk kommentierte die Tatsache, dass zwei Homosexuelle in einer Kirche in Prag eine illegale Hochzeit abgehalten hatten, mit den Worten: »Die haben die Kirche entweiht, wir müssen sie wieder neu weihen.«

Auch in der bürgerlich-konservativen Partei Tschechiens (ODS) gibt es strikte Gegner jeder Homosexualität. Ihr Vorsitzender Mirek Topolanek etwa erklärte: »Ich akzeptiere eine homosexuelle Partnerschaft nicht als Familie. Eine Familie, das bedeutet für mich: Papa, Mama und Kinder.« Ein anderer Abgeordneter der ODS bezeichnete Homosexualität als »ansteckende Krankheit« und warnte davor, dass »bis 43 Prozent der männlichen Population in Tschechien« gefährdet seien. Auch der Staatspräsident und Ehrenvorsitzende der ODS, Vaclav Klaus, gilt als Gegner der registrierten Partnerschaft, obwohl er zu vermeiden versucht, sich zu diesem Thema zu äußern. Er reagiert bei heiklen Fragen immer mit großer Vorsicht.

Auch die öffentliche Meinung in Tschechien ist gespalten. Für die registrierte Partnerschaft ist etwa die Häfte der Bevölkerung, dagegen sind rund 30 Prozent. Die Initiativen in den letzten Jahren fanden aber auch die Unterstützung von bekannten Persönlichkeiten aus Kultur, Kunst und Medien. Obwohl sich immer noch kein Politiker in Tschechien zu seiner Homosexualität bekannt hat, ist der Trend zu einer größeren Toleranz nicht zu übersehen. Und so hat eine neuerliche Gesetzesinitiative zur registrierten gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, die derzeit im tschechischen Parlament vorliegt, tatsächlich erstmals reale Chancen, verwirklicht zu werden.

stanislav holubec, prag

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