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Gefahr in Belgrad: Totenkopf in Serbien

Der Osten wird rosa: Die Schwulen und Lesben in Osteuropa bewegen sich zwischen Übergriffen von Rechtsextremen, einem Leben im Geheimen und einem sanften Coming Out. Aktuelle Momentaufnahmen aus fünf Staaten des ehemaligen Ostblocks…

boris kanzleiter, belgrad

Wie gefährlich es in Serbien ist, in der Öffentlichkeit die Probleme von Schwulen und Lesben anzusprechen, mussten in den vergangenen Tagen die Mitglieder der Nichtregierungsorganisation »Bildungszentrum« in der Kleinstadt Zrenjanin erfahren. Sie hatten sich entschlossen, in lokalen Medien über die Situation von Homosexuellen aufzuklären und der weit verbreiteten Homophobie entgegenzutreten.

Die Antwort kam postwendend: Zuerst wurde das Gebäude des Bildungszentrums mit Parolen wie »Schwule sind keine Menschen« beschmiert. Dann kam eine E-mail mit einem Totenkopf. Und schließlich begannen die Drohanrufe auf den privaten Handys der Mitglieder des Bildungszentrums.

Dort rätseln die Mitarbeiter, wer hinter den Drohungen stecken könnte. Sie wissen es nicht, aber eine Vermutung haben sie: »Wahrscheinlich war es Obraz«, meinen sie. »Obraz« heißt »Ehre« und ist der Name einer der aggressivsten rechtsextremistischen Gruppen in Serbien. Und die Vermutung ist plausibel, denn die Drohungen begannen eine Woche, nachdem der Präsident von Obraz in Zrenjanin, Vitomir Malesev, den Beginn einer Plakatkampagne gegen Schwule mit dem brutalen Slogan »Besser verhindern als heilen« bekannt gegeben hatte.

Plakate mit dieser Aufschrift wurden in ganz Serbien geklebt. Der Anlass war offensichtlich. Denn eigentlich sollte im Juli eine Gay Pride Parade in Belgrad stattfinden. Diese wurde jedoch aus berechtigter Angst vor gewalttätigen Übergriffen abgesagt. Vor drei Jahren war der erste Versuch einer solchen Demonstration in Belgrad blutig zerschlagen worden – unter anderem von Obraz-Mitgliedern. Die diesjährige Absage der Veranstaltung war ein Triumph für die Rechtsextremisten, und mit der Plakatkampagne feiern sie nun ihren Erfolg. Empört forderte Ende Juli eine Reihe von Aktivistinnen und Aktivisten verschiedener schwul-lesbischer Gruppen in einem Offenen Brief eine Reaktion der Behörden und Politiker auf den abermaligen Aufruf zur Gewalt gegen Schwule und Lesben. Eine Antwort ist bislang ausgeblieben.

 

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