Der GaySunday bildete den Abschluss eines mehrtägigen Programms, das der Münchner Löwen Club (MLC) anlässlich des diesjährigen Starkbierfests seinen Mitgliedern und Gästen zu bieten hatte.
Wie in jedem Jahr, besuchte ich zusammen mit guten Freunden die Abschlussveranstaltung im traditionsreichen „Augustinerkeller”. Einer der Dresscodes für die Party war Military/Uniform und so trug zu einer Militaryhose ein blaues T-Shirt der Israeli Airforce.
Natürlich habe ich mir nichts dabei gedacht und finde das auch, unabhängig von aller politischen Entwicklung ok (ich hätte ebenso ein Shirt der US-Army oder – G’tt soll schützen – der Bundeswehr tragen können…). Abgesehen davon befand ich mich auf einem SCHWULEN EVENT.
Etwa 500 Gäste feierten in dem barocken Saal, der Bayernvorstand des LSVD nebst Freunden gesellte sich zu uns und an unserem Tisch wurde viel gelacht, getrunken, geraucht… Irgendwann bemerkten wir einen, offensichtlich schwulen, Skinhead, der neben unserem Tisch stand – getrennt durch eine halbhohe Wand. Der Typ hatte seine Faust erhoben und mir mit Worten wie, „Bomben auf Israel”, „Ihr sollt alle verrecken” usw. gedroht, was mich sehr schockiert hat. Zuerst dachte ich auch, dass ich mich, ob der lauten Musik, verhört hätte. Auf meine Nachfrage, ob tatsächlich ICH gemeint bin und was das ÜBERHAUPT soll, bekam ich nur ein hasserfülltes Gesicht zu sehen, und er sagte nur „Bomben auf Jerusalem”, Bomben auf Tel Aviv”. Das haben natürlich auch meine Freunde und die Leute bemerkt, die um uns herum saßen. Sie rieten mir, ruhig zu bleiben. Aufgrund dessen, bin ich zu dem Skin hingegangen, um ihn zur Rede zu stellen. Er hat sich jedoch gar nicht auf ein Gespräch eingelassen, sondern nur seine Hasstiraden permanent wiederholt. Sein ganzer Anhang und v.a. sein sog. Freund, hat sich mit mir unterhalten und versucht, die Sache herunterzuspielen: „Der ist besoffen”, „Das mußt Du nicht so ENG sehen” etc. waren ihre Kommentare. Ich habe es versäumt, den Ordnern Bescheid zu geben, weil ich es immer noch nicht fassen konnte, auf einem schwulen Event von einem anderen Schwulen wegen einem T-Shirt derart verunglimpft zu werden. Ich kehrte an meinen Tisch zurück und auch der Typ verschwand. Das Fest war natürlich vermiest, aber meine Freunde überredeten mich, trotzdem zu bleiben.
Während des Abends jedoch, wurden mein Zorn und meine Enttäuschung immer größer und am nächsten Tag schrieb ich einen Beschwerdebrief an den MLC-Vorstand. Dieser entschuldigte sich mit einem Schreiben, was auch das Mindeste war (siehe unten), und man schlug mir vor den Typ zu identifizieren; was ich nunmehr im Abstand der Zeit nicht mehr vermag. Außerdem würde ein evtl. Ausschluß des Typen aus dem MLC sicherlich nichts an seiner Einstellung ändern (wenn er überhaupt Mitglied des MLC ist). Der Vorstand des MLC sollte sich öffentlich von jeglichem Fremdenhass und Antisemitismus distanzieren, das habe ich verlangt – und das ist auch geschehen. Was sie innerhalb ihres Clubs unternehmen, möchte ich nicht beeinflussen. Es haben sich einige Leute beim MLC-Vorstand gemeldet und zu dem Vorfall geäußert. Dies führte dazu, dass sich dieser in die Ecke gedrängt fühlte und einen „Generalverdacht des Antisemitismus” von sich wies. Niemand hat das jemals unterstellt und es wäre auch nicht gerecht. Ich bin mir mit dem Vorstand des MLC einig, den Vorfall als die Tat eines einzelnen – offensichtlich zudem noch alkoholisierten – Skinheads anzusehen. Doch die Sache hat einigen Wirbel gemacht, einige der entsprechenden Reaktionen und Artikel dazu wollen wir Euch nicht vorenthalten. Ich würde mir sehr wünschen, dass dieser traurige Vorfall zum Anlaß genommen wird, innerhalb der Szene über die Stellung schwuler Skins zu diskutieren, denn dieser Thema geht uns alle an. Schon oft ist mir zu Ohren gekommen, dass sich andere zurecht über schwule Skins wundern. Mir persönlich waren sie seit jeher obskur, denn ich glaubte, dass manche von Ihnen sicher nicht „nur” einem (Kleider)fetisch anhängen – jetzt WEISS ich es bestimmt!
Fred Fischer
Antwortbrief des MLC-Vorstands:
Lieber Fred,
vielen Dank für deine Nachricht. Wir bedauern außerordentlich, daß es zum GaySunday zu einem solchen Vorfall kam und können dir versichern, daß wir als Vorstand
a) jede Form antisemitischer Äußerungen und Handlungen von MLC-Mitgliedern oder Gästen unserer Veranstaltungen verurteilen
b) im Falle einer Kenntnisnahme während der Veranstaltung unmittelbar Hausverbot erteilt hätten und
c) versuchen werden, die Identität desjenigen festzustellen, um ihn von zukünftigen Veranstaltungen des Clubs auszuschließen.
Es wäre sicher sehr hilfreich gewesen, wenn du uns als Vorstände oder unsere Helfer am Einlass noch während der Veranstaltung informiert hättest. So hätten wir die Möglichkeit gehabt, sofort einzugreifen und die Identität des Skinheads festzustellen. Solltest du noch über Hinweise zur Identität verfügen, werden wir diesen sofort nachgehen. Das stark-bier-fest ist wie alle unsere Großevents eine offene Veranstaltung der schwulen Szene. Zahlreiche Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland zu diesen Veranstaltungen. Die Münchner schwule Fetischszene ist der weltoffen. An unseren Events nehmen zahlreiche ausländische Gäste teil. Deshalb bitten wir dich, von den – zurecht zu verurteilenden Handlungen – eines einzelnen nicht auf den Charakter der Münchner Fetischszene allgemein und eine mögliche Bedrohung gerade israelischer Sportler durch den MLC zu schließen.
Gern sind wir natürlich bereit, mit Dir auch persönlich über diese Angelegenheit zu sprechen. Solltest du noch weitere Hinweise haben, die der Aufklärung dieses außerordentlich unschönen Vorfalls dienen, nehmen wir
diese gern auf.
Mit lieben Grüßen
Herbert, Thomas und Henrik
MLC-Vorstände
Leserbrief an das MLC-Magazin „Löwenspiegel” von Markus Fisher-Gerring
Vom Fetisch-Fest, zum Fascho-Test!
Zutiefst empört und geschockt muß ich feststellen, daß das letzte, schwule Starkbierfest in München, ehemaliger Hauptstadt der Bewegung, diesen Test nicht bestanden hat. Ich mag naiv gewesen sein, zu denken unter Schwulen wäre solches Gedankengut schlicht inexistent, aber wir wurden Besseren belehrt, wie ihr Artikel unter der Rubrik Wermutstropfen (angebracht wäre wohl eher Wehrmachtstropfen)gezeigt hat. Wer meint hochaktuelle politische Themen in Bierlaune besprechen zu müssen, soll dies tun, sich dabei aber bitte seine Uniform nicht zu Kopfe steigen lassen. Ich war immer schon mehr als skeptisch gegenüber den schwulen Skins und Faschos die ja so gar nichts mit den “Echten” zu tun haben wollen. Wie wir dieses Jahr gesehen haben entspricht diese billige Ausrede natürlich nicht der Wahrheit, wenngleich es für jeden einigermaßen vernünftig denkenden Menschen schon sehr lächerlich und grotesk scheint, das ausgerechnet Schwule mit diesen Schwulenhassern sympathisieren und das wohl nur weil sie immer noch ans Weltjudentum oder ähnlichen Schwachsinn glauben. Da fordert also so eine MLC-Intelligenzbestie Bomben auf Israel weil sie einen Besucher ihres Festes mit hebräisch beschriftetem T-Shirt sieht. Tja, leider müssen wir diese Person für’s Erste enttäuschen, der dreizehnjährige, palästinensische Junge der von seinen Eltern mit Bauchbombe bestückt über die Grenze nach Israel geschickt wurde um sich dort mit Unschuldigen in die Luft zu sprengen, hat in letzter Minute den Geistesblitz, vielleicht aber auch nur die gesunde Feigheit gehabt, die israelischen Soldaten auf sich aufmerksam zu machen um weiterleben zu können. Wir in Deutschland lebenden Juden bekommen bis heute Drohbriefe in denen so erbauende Sätze wie “Wir haben Dich nicht vergessen” stehen. UHUHU da haben wir aber Angst…VORSICHT wir haben auch nicht vergessen und wer will, daß endlich mit “dem Thema” Schluß ist, muß vorher dafür sorgen, daß auch mit den Faschos Schluß ist. Ich für meinen Teil habe eines gelernt: Schwulsein schützt zwar nicht vor Naivität , aber leider auch nicht vor Rassismus und Dummheit.
Lieber Henrik, wir kennen uns nicht, ich weiß mein Schreiben ist lang, aber ich würde mich freuen, wenn meine Meinung zu diesem Vorkommnis in deinem Blatt einen Platz fände. BRAVO, daß ihr Euch so schnell von diesem Pack distanziert habt.
Euch und Dir alles Gute,
Markus Fisher-Gerring
http://yachad.israel-live.de/msd/2004/06-gay-sunday.htm
EDITORIAL 07-2004

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